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Erich BartholoméPrimzahlforschung
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Abend 01 von 6

Was ist eine Primzahl?

Warum ist 1 keine Primzahl?

Teilen ohne Rest

Wir fangen bei etwas an, das jeder aus der Schule kennt: dem Teilen. Die Zahl 12 lässt sich ohne Rest teilen durch 1, 2, 3, 4, 6 und 12. Diese sechs Zahlen heißen die Teiler von 12. Die 5 gehört nicht dazu — 12 geteilt durch 5 ergibt 2 Rest 2.

Schreiben wir die Teiler einiger Zahlen untereinander:

Zahl Teiler Anzahl
6 1, 2, 3, 6 4
7 1, 7 2
8 1, 2, 4, 8 4
9 1, 3, 9 3
10 1, 2, 5, 10 4
11 1, 11 2

Etwas fällt auf: Jede Zahl hat mindestens zwei Teiler, nämlich 1 und sich selbst. Manche haben genau diese zwei und keinen weiteren — hier 7 und 11.

Die Definition

Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl mit genau zwei verschiedenen Teilern: der 1 und sich selbst.

Die ersten Primzahlen lauten:

2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, 29, 31, 37, 41, 43, 47, …

Zahlen mit mehr als zwei Teilern heißen zusammengesetzt: 4, 6, 8, 9, 10, 12 und so fort. Der Name sagt, warum: Sie lassen sich aus kleineren Bausteinen zusammensetzen. 12 ist 2 · 2 · 3.

Die 2 steht etwas abseits — sie ist die einzige gerade Primzahl. Jede andere gerade Zahl hat ja die 2 als zusätzlichen Teiler und damit mindestens drei. Man sagt gelegentlich, die 2 sei die seltsamste aller Primzahlen, weil sie die einzige ist, die nicht ungerade ist.

Warum 1 nicht dazugehört

Hier kommt die Leitfrage. Die 1 hat nur einen einzigen Teiler, nämlich sich selbst. Nach unserer Definition — genau zwei Teiler — fällt sie also heraus.

Das wirkt wie eine Spitzfindigkeit. Ist es aber nicht. Der Grund liegt in dem wichtigsten Satz, den wir an diesem Abend kennenlernen.

Der Fundamentalsatz der Arithmetik

Nehmen wir uns die 60 vor und zerlegen sie, so lange es geht:

60 = 6 · 10
   = (2 · 3) · (2 · 5)
   = 2 · 2 · 3 · 5
   = 2² · 3 · 5

Man kann auch anders anfangen:

60 = 4 · 15 = (2 · 2) · (3 · 5) = 2 · 2 · 3 · 5

Oder mit 60 = 2 · 30 = 2 · 2 · 15 = 2 · 2 · 3 · 5. Der Weg ist verschieden, das Ergebnis immer dasselbe. Das gilt nicht nur für die 60:

Fundamentalsatz der Arithmetik: Jede natürliche Zahl größer als 1 lässt sich als Produkt von Primzahlen schreiben — und zwar auf genau eine Weise, wenn man von der Reihenfolge absieht.

Dieser Satz ist der Grund, warum Primzahlen überhaupt interessant sind. Sie sind die Bausteine, aus denen sich jede andere Zahl zusammensetzt, und zwar unverwechselbar. Wie die Elemente in der Chemie.

Und jetzt die 1. Angenommen, wir würden sie als Primzahl zulassen. Dann wäre

60 = 2² · 3 · 5
60 = 1 · 2² · 3 · 5
60 = 1 · 1 · 2² · 3 · 5
60 = 1 · 1 · 1 · 2² · 3 · 5

und so weiter, unendlich viele verschiedene Zerlegungen. Das Wort „genau eine Weise" wäre hinfällig. Die 1 wird also nicht aus Willkür ausgeschlossen, sondern damit der wichtigste Satz über Primzahlen stimmt.

Das ist eine Antwort, die man sich merkt: Mathematik legt Definitionen nicht beliebig fest, sondern so, dass die Sätze einfach werden.

Wie viele Teiler hat eine Zahl?

Aus der Zerlegung lässt sich ablesen, wie viele Teiler eine Zahl hat. Für 60 = 2² · 3¹ · 5¹ gilt: Ein Teiler entsteht, indem man von jedem Baustein eine Anzahl wählt — beim Faktor 2 die Möglichkeiten 2⁰, 2¹ oder 2², also drei; bei 3 zwei Möglichkeiten; bei 5 ebenfalls zwei.

3 · 2 · 2 = 12 Teiler

Und tatsächlich: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20, 30, 60 — zwölf Stück. Die Regel lautet: Exponenten um eins erhöhen, dann multiplizieren.

An dieser Stelle sieht man die Primzahlen noch einmal von einer anderen Seite. Eine Primzahl p hat die Zerlegung p¹, also (1+1) = 2 Teiler. Weniger geht nicht.

Am Rechner

Auf der Website unter Werkzeuge · Primzahl-Prüfer lässt sich jede Zahl prüfen und zerlegen. Bringen Sie zum nächsten Mal eine Zahl mit, die Ihnen etwas bedeutet — ein Geburtsdatum als Zahl geschrieben, eine Hausnummer, eine Telefonnummer. Wir sehen uns an, was darin steckt.

Übungen

Was ist eine Primzahl?

1. Schreiben Sie alle Teiler von 36 auf. Wie viele sind es?

2. Welche dieser Zahlen sind Primzahlen? Begründen Sie jeweils kurz.

51      53      57      91      97

3. Zerlegen Sie in Primfaktoren:

    a) 360      b) 1001      c) 2025

4. Wie viele Teiler hat 2³ · 3² · 5? Zählen Sie zur Probe nach, indem Sie die Zahl ausrechnen und alle Teiler aufschreiben.

5. Erklären Sie in zwei Sätzen, warum die 1 nicht zu den Primzahlen gezählt wird. Schreiben Sie es so auf, dass es jemand versteht, der heute nicht dabei war.

6. Finden Sie zwei Zahlen zwischen 100 und 150, die genau drei Teiler haben. Was haben diese Zahlen gemeinsam?


Zusatz für Ungeduldige: Die Zahl 1 001 ist das Produkt von drei aufeinander­ folgenden Primzahlen. Finden Sie noch ein Produkt aus drei aufeinanderfolgenden Primzahlen, das kleiner als 1 000 ist.

Lösungen anzeigen— erst selbst rechnen lohnt sich

1. Teiler von 36: 1, 2, 3, 4, 6, 9, 12, 18, 36 — das sind 9 Teiler.

Zur Probe mit der Regel: 36 = 2² · 3², also (2+1) · (2+1) = 9. ✓

Dass die Anzahl ungerade ist, ist kein Zufall: 36 ist eine Quadratzahl, und bei Quadratzahlen fällt ein Teilerpaar zusammen (6 · 6).


2.

Zahl prim? Begründung
51 nein 51 = 3 · 17 (Quersumme 6 ist durch 3 teilbar)
53 ja nicht teilbar durch 2, 3, 5, 7 — und 7² = 49 < 53 < 64 = 8², also genügt das
57 nein 57 = 3 · 19 (Quersumme 12)
91 nein 91 = 7 · 13 — die klassische Falle, 91 sieht prim aus
97 ja nicht teilbar durch 2, 3, 5, 7; 97 < 121 = 11²

3.

  a) 360 = 2³ · 3² · 5      Rechenweg: 360 = 36 · 10 = (4 · 9) · (2 · 5) = 2² · 3² · 2 · 5 = 2³ · 3² · 5

  b) 1001 = 7 · 11 · 13      Drei aufeinanderfolgende Primzahlen. Merkwürdig hübsch.

  c) 2025 = 3⁴ · 5²      Rechenweg: 2025 = 25 · 81 = 5² · 3⁴. Nebenbei: 2025 = 45².


4. 2³ · 3² · 5 = 8 · 9 · 5 = 360.

Anzahl der Teiler: (3+1) · (2+1) · (1+1) = 4 · 3 · 2 = 24.

Alle 24: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 12, 15, 18, 20, 24, 30, 36, 40, 45, 60, 72, 90, 120, 180, 360.


5. Eine mögliche Formulierung:

Jede Zahl lässt sich auf genau eine Weise in Primfaktoren zerlegen. Würde die 1 als Primzahl gelten, könnte man sie beliebig oft in jede Zerlegung einfügen — 12 wäre 2 · 2 · 3, aber auch 1 · 2 · 2 · 3 und 1 · 1 · 2 · 2 · 3. Die Eindeutigkeit ginge verloren, und mit ihr der wichtigste Satz über Primzahlen.


6. Genau drei Teiler hat eine Zahl nur dann, wenn sie das Quadrat einer Primzahl ist: p² hat die Teiler 1, p und p².

Zwischen 100 und 150: 121 = 11² (Teiler 1, 11, 121) und 169… nein, 169 liegt bereits über 150. Also gibt es in diesem Bereich nur eine solche Zahl: 121.

Das ist Absicht — die Aufgabe prüft, ob man das Muster erkennt und dann merkt, dass die zweite Zahl gar nicht existiert. Die nächsten sind 169 = 13² und 289 = 17².


Zusatz. Gesucht ist ein Produkt dreier aufeinanderfolgender Primzahlen unter 1 000:

2 · 3 · 5  =  30
3 · 5 · 7  = 105
5 · 7 · 11 = 385
7 · 11 · 13 = 1001   ← schon zu groß

Es gibt also drei Lösungen: 30, 105 und 385.